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Deutscher Alpenverein Sächsischer Bergsteigerbund
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Am Mittag des Dienstags, den 13.6.06, brach in den Affensteinen auf einem Riff oberhalb des Wilden Grunds ein Feuer aus. Es dürfte einer der schwersten Brände der letzten Jahre gewesen sein, vermutlich sogar der schwerste. Das war ein Bodenbrand, und wer sich je mit einem Feuerwehrmann unterhalten hat, weiß, dass das eigentlich der schlimmste Fall ist: Solche Brände können ewig lange schwelen, vor und nach dem Ausbruch. Bevor die Fakten kommen, erst einmal unsere Anerkennung den Einsatzkräften, denen es offensichtlich gelungen ist, diesen Brand zu löschen. Das klappt nicht immer. Mir erzählte ein Sebnitzer Feuerwehrmann von einem ähnlichen Brand eines Riffs über dem Kampfturm in den 50er Jahren, vermutlich durch einen Raucher entfacht, wo Schläuche von der Kirnitzsch bis ans Ende des Großen Zschands gelegt wurden und man drei Tage lang bis zum Umfallen versuchte, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Am vierten Tag beendete ein kräftiger Gewitterregen das unheilvolle Spektakel.
In diesem Fall sah es nicht besser aus. Das Riff ist vollkommen unzugänglich, und mit einem Hubschrauber lässt sich bei diesem Ausmaß eines Brandes nichts mehr machen. Der Boden ist auf etwa 1.2 Hektar fast komplett abgefackelt. Riffböden sind besonders trocken und daher besonders empfindlich.
80 Feuerwehrleute, darunter erstmals auch 15 tschechische Kollegen, waren im Einsatz. Sechs Tanklöschwagen fuhren ununterbrochen Wasser von der Kirnitzsch zu einer Wasserblase (ein Gummibecken mit 5 Kubikmeter Inhalt), von der aus mittels mehr als 3km Schlauch und sechs Pumpen das Wasser 170 Meter höher geleitet werden konnte. Bäume wurden gefällt, um die Ausbreitung des Brandes auf die umliegenden Wälder zu vermeiden. Unten am Riff wurden Gräben gezogen, um Feuer, die durch herabfallende Glut entstanden, zu stoppen. Diese Gräben sieht man neben der oberen Affensteinpromenade.
Wir haben heute mehr zufällig bei der Begutachtung eines zu nassen Gipfels die Brandfläche entdeckt und verzichten auf eine genaue Beschreibung des Ortes, denn ein allzu starkes Begängnis würde mittels Erosion vollenden, was der Brand nicht schaffte. Damit aber alle an diesem nachhaltigen Erlebnis teilhaben können, habe ich eine Reihe von Bildern (Bildschirmauflösung 1024x768, daher leicht unscharf) gemacht und kann jedem nur raten, sich diese anzusehen. Sie zeigen viel besser als Pressemitteilungen und Zeitungsberichte, was da los war. Die Bäume sind selbst nicht alle verbrannt, aber wie viele überleben werden, wage ich nicht zu beurteilen. Der Boden ist jedenfalls verbrannt, bis auf feuchte Inseln. Glut ist in jede kleine Schlucht gestürzt, und sobald sich dort etwas Trockenes fand, brannte es auch dort. Selbst in den Wänden oberhalb der Affensteinpromenade brannte es dadurch. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, was bei solche einem Feuer auf größeren, zusammenhängenden Riffen passiert - und bei noch größerer Trockenheit. Schon hier ist das Feuer über Hunderte Meter gewandert! Wie will man so eine Katastrophe in einer Dürreperiode eindämmen? Nochmals meine Hochachtung den Leuten vor Ort.
Unweigerlich denkt man an die mögliche Ursache. In diesem Fall hat es mit Boofen offensichtlich nichts zu tun - dort ist weit und breit nichts Vernünftiges. Es gibt eigentlich zwei naheliegende Möglichkeiten: Entweder jemand hat auf dem Riff ein Feuer entzündet - das kommt leider nicht so selten vor, wie uns Nationalparkleiter Dr. Stein berichtete (ich vermute ein eigenwilliges Romantikverständnis hinter solchem Tun), oder aber es war ein Raucher im Wald. Ich könnte mir sogar gut vorstellen, wo er gesessen hat, und dass das vielleicht letzten Sonntag (11.6.) war, denn die Glut arbeitet manchmal sehr lange, bis ein Feuer ausbricht. Um so schlimmer dann aber in diesem Fall, wie weit es gewandert ist! Und das war erst Waldbrandwarnstufe I, die Otto Normalbürger meist gar nicht als Trockenheit wahrnimmt.
Übrigens, die in der DNN erwähnte mögliche Ursache "Glasscherbe" wird von manchen Fachleuten als Unfug abgetan - dort müsste sehr vieles zusammenkommen. Es gibt zwar deutlich mehr Scherben im Wald als Raucher, doch die "Erfolgsquote" der Raucher ist ungleich höher.
Als wir noch in fünf Boofen in der Sächsischen Schweiz feuern durften, lagen die allesamt so, dass im Notfall die Feuerwehr gut heranfahren kann. Wer die Bilder unten sieht, weiß, warum. Jetzt dürfen wir gar nicht mehr feuern. Vielleicht wird es eines Tages wieder Ausnahmen geben, doch bevor wir auf unser "Recht zum Feuern" pochen, sollten wir auch an unsere Pflicht denken: So eine Katastrophe wie die letzte Woche darf sich nicht wiederholen, und eine größere erst recht nicht eintreten.
- Erstens, "Wanderfeuer" sind noch viel schlimmer als Boofenfeuer. Da werden unterwegs ein paar Äste zum Würstchenbraten gesammelt, und später rennt man weg im Glauben, alles gelöscht zu haben. Ein Aberglaube. Deswegen mochte ich es auch nie (schon vor Jahrzehnten), wenn früh in der Boofe nochmals Feuer gemacht wurde.
- Zweitens: Raucher sind wandelnde Glutherde. Richtig geraten, ich bin Nichtraucher. Und mir platzt jedes Mal die Hutschnur, wenn ich Bergsteiger oder deren Begleiter rauchend auf Bergpfaden laufen sehe. Nicht dass ich jeden anspreche, aber ich selbst hoffe, wir kommen wieder zu dem Stand der 80er Jahre zurück, wo im Falle einer Kontrolle die Zigarette im Wald ohne Ansehen der Person 20 Mark kostete (man rechne dies in heutiges Geld um). Meine etwas militante Haltung kommt daher, dass ich einst mit einem Feuerwehrmann durch die Gegend zog und er aus dem Nähkästchen plauderte. Diese ist übrigens selbst Bergsteiger gewesen, mit Boofenfeuer und so. Aber bei manchen Dingen zeigte er eben kein Verständnis.
Vielleicht hilft mancher in Zukunft mit, den Wurstbratern und Glimmstänglern im Wald die Freude wenigstens einzutrüben. Wir haben heute damit angefangen.
Hier noch einige Kommentare zu den Bildern:
Quellen:
http://www.forsten.sachsen.de/lfp
DNN (Dresdner Neueste Nachrichten), 15.6.2006, S.17
17.6.06, Reinhard Wobst (Zwinki)
| letzte Änderung: 16.04.2012 | ||
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