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Der Sächsische Bergsteigerbund
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Tourenberichte


Hohe Tatra

Von Tobias Härtel

Die Hohe Tatra mit ihren lediglich 26 km Länge ist kein Gebirge der Superlative. Eher ein Gebirge mit zwar schroffen Graten und steilen Flanken einerseits, aber genauso stillen Wäldern und leise glucksenden Bächen andererseits. Es gibt auch keine Massenabfertigungsstellen á la Zugspitze oder Drei-Zinnen-Hütte. Eher kleine Hütten, „Chatas“ genannt, die dem Wanderer preiswerte Kost und Logis bieten und immer mit frisch zubereiteten Speisen und Getränken auf Gäste warten. Viele der älteren Bergfreunde werden bei Namen wie „Eurocamp FICC, Hrebiniok, Terry Hütte, Rysy und Krivan“ an viel schöne, aber auch anstrengende Bergurlaube denken und in Erinnerungen schwelgen.
Von den vielen interessanten Erzählungen meiner Eltern inspiriert, fuhr ich 2003 das erste Mal in die Hohe Tatra. Damals aus Unwissenheit noch mit der Bahn. Diese Anreiseart ist zwar aus Umweltschutzgründen zu empfehlen, aber nicht ganz so komfortabel wie mit dem PKW, mit dem man in 7 - 8 Stunden Fahrt das Ziel erreicht und wesentlich unabhängiger mit mehr Gepäckkapazität unterwegs ist. Es empfiehlt sich die Route über Prag, Brünn, Trencin, Liptovsky Mikulas und Poprad. (alle anderen, vermeintlich günstigeren An- und Abfahrtsrouten haben sich im Nachhinein als zeitraubende Nadelöhre entpuppt). In der Hohen Tatra selbst benötigt man nicht unbedingt ein Auto. Die „Tatrabahn“ ist eine ideale Zubringermöglichkeit zu den besten Ausgangspunkten für Kletter- und Wandertouren. Alle anderen strategisch gut gelegenen Startpunkte sind problemlos und ebenfalls sehr preiswert per Bus erreichbar, der selbst in den späten Abendstunden noch müde Wanderer zurück ins Quartier bringt. Zu Einkäufen stehen in allen Tatraortschaften kleine, aber feine Lebensmittelgeschäfte zur Verfügung, die im Preis-Leistungs-Verhältnis keine Wünsche offen lassen. Wer es gigantisch und überdimensional möchte, dem sei der „TESCO“ in Poprad empfohlen, 24 Stunden und 7 Tage die Woche! Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich viele: Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Hütten, Bungalows, Zeltplätze oder Camperflächen. Hier sollte man abwägen, was man machen möchte. Die Tatrahütten sind sauber, preiswert, aber auch sehr spartanisch. Oft stehen nur kaltes Wasser und keine oder geringe Trockenräume zur Verfügung. Für größere Vorhaben am Fels wie Martinsgrat, Ganekgalerie oder Maly Kezmarsky N-Wand gibt es aber keine Alternative zu den Hütten. Für alle leichten bis mittelschweren Unternehmungen kann man ganz beruhigt vom Tal aus starten. Ich liebe es jedes Mal aufs Neue, bei Morgennebel und den ersten Sonnenstrahlen durch die herrlichen Wälder bergauf zu wandern.
Die Zeltplätze in der Tatraregion sind allesamt sauber, aufgeräumt und zu 100 % sicher. Der „Eurocamp FICC“ in Lomnica z. B. verfügt über sehr gute sanitäre Einrichtungen, großzügige Grünfläche, Pförtner (im 24-Stunden-Dienst) und nicht zuletzt ein atemberaubendes Gipfelpanorama. Mit 7 - 8 Euro pro Nacht incl. Zelt, Auto, Person und Dusche ist er auch nach wie vor sehr günstig, vor allem im europäischen Vergleich. Wer es ein bisschen komfortabeler möchte, kann unter vielen Pensionen und Ferienwohnungen wählen. Ein Bungalow lohnt sich erst ab einer Gruppengröße ab ca. 6 Personen. Bei Hotels hat man die gesamte Spanne zur Auswahl, vom preiswerten Sporthotel „FIS“ in Strbske Pleso bis zum „Grand Hotel“ in Stary Smkovec. Die Hotelbuchung regelt man besser schon in Deutschland, vorzugsweise per Reisebüro. Alles Weitere kann man getrost spontan vor Ort buchen.
Wenn ich am Anfang eine Charakterisierung des Gebirges versuchte, sei noch einiges ergänzt.
Die Hohe Tatra ist zwar ein liebliches Hochgebirge, aber eben ein Hochgebirge mit allen objektiven Gefahren. Starke Lawinengefahr im Winter, Steinschläge, Wetterstürze und oft stark zerklüftete Grate sollten auf alle Fälle ernst genommen werden. Auch wenn der höchste Gipfel „Gerlach“ mit 2655 m nicht Alpenhauptkammhöhe besitzt, will er erst mal bestiegen sein. Es ist aber nicht nur ein Gebirge für Hochleistungsalpinisten. Auch der genussorientierte und erholungssuchende Wanderer findet hier unzählige Möglichkeiten. Leichte Spaziergänge sowohl von den Tatraortschaften aus als auch von Seilbahnbergstationen. Mittelschwierige Wanderungen und Gipfelbesteigungen entlang der Magistrale der Hohen Tatra oder schwierige oder hochalpine Bergtouren zum Krivan, Rysy, Vichodna Vysoka oder die Tatra-Hauptkamm-Überschreitung über Prielom, Polsky Hreben und Sedielko. Man kann diese Touren teilweise mit einer oder zwei Seilbahn-, Standseilbahn- oder Sesselliftfahrten verkürzen. Für die Felskletterer bieten sich ebenfalls viele Möglichkeiten in allen Leistungsbereichen. Allerdings sollte man wissen, dass alles sehr urwüchsig und spartanisch gesichert ist. Der Hammer mit Haken ist durchaus noch üblich.
Der Reiz für mich, sind fantastische Gratklettereien und Gipfelüberschreitungen im Sommer wie auch im Winter. Die großen Wände an Kezmarsky, Lomnitzer oder Ganek sind sehr beeindruckend. In der Zeit von 1. November bis 30. Juni sind sehr viele Wege im Nationalpark aus Naturschutzgründen gesperrt. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, wenn man einen gültigen DAV-Ausweis mitführt und plausibel erklären kann, welche Tour man vorhat, keine Lawinengefahr besteht und man nicht lärmt oder Schaden an der Flora und Fauna verursacht, man ungehindert weiter darf. Denn für aktive Bergsteiger ohne Schwierigkeitsbeschränkungen ist zumindest auf der slowakischen Seite der Hohen Tatra keine Einschränkung vorhanden.
Für einen Wander- oder Kletterurlaub ist ohnehin die Zeit von August bis Oktober die beste. Das Wetter ist relativ stabil, die Tage sind noch einigermaßen lang und es liegt in der Regel kaum noch Schnee. Für einen Skiurlaub ist das zeitige Frühjahr die beste Wahl, da dann die Lawinengefahr geringer ist. Die Hütten, mit Ausnahme der Rysy-Hütte, sind auch im Winter bewirtschaftet.
Die Hohe Tatra verfügt über eine aktive und sehr gute Bergwacht sowie einige Bergführer.
Bei schlechtem Wetter, was leider oft vorkommt, gibt es aber viele Ausweichmöglichkeiten. So kann man z. B. einige sehr interessante Tropfsteinhöhlen in der Weißen und der Niederen Tatra, neue und sehr schöne Erlebnisbäder in Poprad oder Liptovsky Mikulas sowie einige Museen und Ausstellungen besuchen.
Auch ein Abstecher in das südlich gelegene Slowakische Paradies, mit seinen wildromantischen Schluchten und Wasserfällen, ist sehr lohnend.
Ein Besuch in den Goralendörfern der östlichen Hohen Tatra sowie der Kreisstadt Poprad sollte man ebenfalls nicht versäumen.
Ich hoffe, ich habe vielen Gleichgesinnten, die noch nicht oder lange nicht mehr in der Hohen Tatra waren, etwas Appetit gemacht. Zum Schluss noch etwas ganz Wichtiges: Eure Autos sind entgegen der hiesigen Meinung genauso sicher oder unsicher wie in Dresden, München oder Berlin! Es gibt überall preiswerte bewachte Parkplätze und die Menschen sind bescheiden, ehrlich und freundlich. Ich habe mein neues Auto stundenlang an einer Fernverkehrsstraße Richtung polnischer Grenze abgestellt und habe keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Fahrt doch einfach wieder einmal in die Hohe Tatra, überzeugt euch selbst, lasst euch nicht von Klischees abschrecken.
Auch die Schäden des schlimmen Wirbelsturmes von 2004 sind zwar noch sichtbar, aber entstellen die Tatraregion keinesfalls. Mit viel Fleiß und Einsatz sind viele Spuren schon beseitigt und man sieht, dass die Menschen ihre Heimat lieben und sie stetig in den bekannten paradiesischen Urzustand, von vor den Unwettern, zurückversetzten. Gerade in dieser Zeit freut man sich dort über jeden Besucher und wird euch freundlich und herzlich empfangen.
Berg Heil und viel Freude wünscht
Tobias

eingestellt: 23.06.2008


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