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Der Sächsische Bergsteigerbund
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Tourenberichte


Erkundungstour ins Glatzer Bergland

Von Karlheinz Baumann

Der jährliche Herbstausflug der Pirnaer Wandergruppe führte dieses Jahr in das Glatzer Bergland, um einmal die die schlesische Stadt Klodzko umrahmenden Gebirgsgruppen näher kennen zu lernen. Quartier fanden wir in dem polnischen Badeort Altheide (Polanicia Zdroj). Schönes Wetter verkündete unsere Ankunft, sodass es kein Problem war, zunächst einmal den höchsten Berg des Gebietes, den südöstlich der Stadt Glatz liegenden Glatzer, Spieglitzer oder Grulicher Schneeberg (1442 m) von Wölfelsgrund aus zu besteigen. Er bildet die Grenze zwischen den europäischen Provinzen Böhmen, Mähren und Schlesien. Auf deren jeweilige Talorte ist die unterschiedliche Namensgebung zurückzuführen.
Westlich von Glatz erhebt sich das an Böhmen grenzende Adlergebirge, von dessen nördlichem Hauptgipfel, der Hohen Mense (1083 m), ältere Reiseführer schwärmen. Wir nutzten von Grunwald aus den rot markierten Hauptwanderweg über den Adlerkamm auf der böhmischen Seite und waren froh, dass wir unser zweites Frühstück in der Masarykbaude eingenommen hatten. Aussichtsturm und Terrassenrestaurant auf der Hohen Mense waren nämlich schon 1946 zerstört worden. Kein Wunder, dass die gegenwärtige Literatur diesen hervorragenden Aussichtspunkt negiert.
Von der Hohen Mense ist es nicht weit nach dem nördlich davon liegenden Heuscheuer-Gebirge. Wir bevorzugten aber einen Zugang vom Osten, weil er uns Gelegenheit gab, das schlesische Jerusalem, die Wallfahrtskirche in Albendorf, heute Wambiersice, zu besichtigen. Allerdings gelang es uns nicht, zu dem barocken Prunk die richtige Einstellung zu finden. dagegen waren wir sofort von den Pilzfelsen begeistert, die die vor Karlsberg (Karlov) auslaufende Sandsteinplatte der Heuscheuer begrenzen. Wie es sich für einen richtigen Nationalpark gehört, wachsen die Sandsteinfelsen hier weitgehend zu und die Zugänge sind durch umgefallene Bäume ordentlich blockiert. Das hielt uns aber nicht davon ab, in den folgenden Tagen das Heuscheuer-Areal noch mehrmals zu besuchen und die prächtigen Aussichten auf die Braunauer Felsen, auf das Adersbacher Gebiet, die Umrahmung des Glatzer Kessels und das Eulengebirge zu genießen. Das Wetter war uns hold und langsam wurden uns die Aussichten zu einem Begriff. Und die Eintrittsgelder zur Natur waren ebenso wie die anfallenden Parkgebühren immer vertretbar.
Mit einer Fahrt nach dem Hausdorfer Kreuz oberhalb von Neurode (Nova Ruda) erreichten wir einen Ausgangspunkt für den Besuch des Eulengebirges, das den Übergang von dem Glatzer Bergland zu dem weiter nördlich liegenden Waldenburger Bergland darstellt. Höchster Berg ist die Hohe Eule (1014 m ) mit ihrem jetzt mit EU-Mitteln vorzüglich restaurierte Bismarck-Turm. Leider beeinflussten Regenwolken die Fernsicht, aber die durch Hauptmanns Weber bekannt gewordenen Orte Langenbielau und Peterswaldau waren ebenso wie die vorher besuchten Berge recht gut auszumachen.
Weniger störte uns das feuchtwarme Wetter bei dem Besuch der Festung Silberberg im Eulengebirge und des Donjon in Glatz. Beide Festungen sind zwar österreichischen Ursprungs, aber Friedrich der Große hat ihren endgültigen Ausbau nach den schlesischen Kriegen um 1770 betrieben. Heute werden beide Festungen, die im 2. Weltkriege keine Rolle spielten, schrittweise restauriert. Silberberg ist darüber hinaus interessant, weil von 1834 bis 1837 Fritz Reuter hie seine "Festungstid" verbrachte und 1902 hier eine inzwischen aufgelassene zahnradbetriebene Kleinbahn, die Eulengebirgsbahn, von Peterswaldau nach Mittelsteine eröffnet wurde. Die 28 m hohe Backsteinbrücke im Herzogswalder Tal ist z. Z noch gut erhalten.
Vom Glatzer Kessel aus ist dem Adlergebirge das Habelschwerdter Gebirge vorgelagert. Über den nördliche Ausläufer des Gebirgszuges, den Roten Berg und den Ochsenberg, führte von Bad Reinerz aus eine recht anspruchsvolle rote Markierung nach Bad Altheide. Die am Wege liegende ehemalige Stille Liebe, die heutige Touristenhütte Pod Muflonem, geht derzeitig als Verpflegungs- und Raststätte allerdings nicht zu nutzen. Ansonsten erwies sich die Wegemarkierung auf allen Touren als sorgfältig ausgeführt und zuverlässig, vorausgesetzt, man hatte aus der Landkarte eine Vorstellung, wohin die Markierung führt, denn Wegetafeln sind außer in den Touristenhochburgen außerordentlich selten.
Als kartenseitige Orientierung über das Glatzer Bergland ist eine zweisprachige Touristenkarte des Verlages galileos im Maßstab 1 : 65.000 zu empfehlen, die gegen geringe Gebühr (etwa 3 Euro) in Verkehrsbüros oder Touristenhütten erworben werden kann und neben der Markierung der wesentlichen Wanderwege touristisch interessante Angaben in polnisch und deutsch enthält. So ist es möglich, von früher her bekannte Ziele oder in älteren Reiseführern beschriebene Orte ohne größere Schwierigkeiten zu identifizieren.
Übrigens: Zloty kann man in vielen Wechselstuben zu einem fast überall gleichen Kurs (etwa 1 Euro = 3,85 Zloty) tauschen, aber an einigen Stellen kann man auch über den Kurs verhandeln.
Und der Reiseweg zum oder vom Ziel lässt sich gut in Radmeritz an der Einmündung der Wittig in die Neiße oder beim Schloss Fürstenstein an der Straße von Freiburg nach Waldenburg unterbrechen. Stift Joachimstein bei Radmeritz war früher Gästeheim des sächsischen Königs, Fürstenstein ist die größte Schlossanlage Schlesiens.


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