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SBB Der Sächsische Bergsteigerbund |
Sektion des Deutschen Alpenvereins |
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Von Gerhard Proske
Keine schroffen Felswände umgeben den Talgrund. Keine mächtigen Eisriesen blicken von oben herab. Keine flimmernden, firnbedeckten Gletscher bilden seinen Abschluss. Nein, es handelt sich um ein Waldtal in einem Mittelgebirge. Sanft steigen auf beiden Seiten die Hänge aufwärts, dicht von Bäumen bestanden. Schon seit Jahrhunderten steht hier der Nadelwald oder besser Nadelmischwald. Doch aus diesem Meer von Grün lugen graue Felsköpfe hervor. Kühne Türme recken sich nach oben, trutzig, bizarr, standfest, jedem Wetter die Stirn bietend. Weiter droben scheint es Mauern zu geben, wie steinerne Festungswälle, unbesiegt, zinnenbewehrt, den Feinden drohend, die Freunde einladend, gut getarnt im Hochwald - es sind die Wände des Felsmassivs. Nur wenige Häusergruppen stehen stehen in diesem Bielatal. Eine Straße führt durch den Grund. Ansonsten gibt es nur Wanderwege und Bergsteigerpfade zu den vielen Felstürmen. Es ist ein Eldorado der Sandsteinkletterer.
Fast unscheinbar steht die Berghütte in einer kleinen Siedlung dieses Bielatales. Mehr als fünfzig Jahre hat sie schon auf dem Buckel. Im Jahre 1952 erbaute man diese Baracke. 1991 wurde sie vom Sächsischen Bergsteigerbund übernommen. Der fand damit ein Domizil für seine Kletterenthusiasten hier im Tal. Ein schmiedeeisernes Tor versperrt den Eingang ins Grundstück. Die Tür daneben ist offen, wenn sich jemand in der Hütte aufhält. Weiter hinten duckt sich ein flaches Gebäude unter die hohen Bäume. Davor ein großer sandbedeckter Platz, Bäume und Büsche auf beiden Seiten. Für die Autos der Besucher bietet er viel Raum. Aber auch Fahrradständer fehlen nicht. Die Wände der Berghütte sind holzverkleidet, wetterfest, Sturm und Regen abweisend. Das Dach solide gedeckt, jedem Unwetter trotzend. Rechts finden wir eine überdachte Terrasse, daneben das Sanitärgebäude mit Waschräumen und Toiletten.
Über die Terrasse treten wir ein in die Berghütte. Ein Aufenthaltsraum empfängt uns, mehr als Küche genutzt. In der Mitte befindet sich ein großer Tisch, an ihm etwa ein Dutzend Stühle. Eine Kochgelegenheit ist vorhanden, auch Wandschränke mit Geschirr. Auf Wandregalen stehen Bierkrüge. Ein anheimelndes Bergsteigerquartier! Ein Sicherheit bietender Platz, wenn draußen ein Unwetter tobt! Ein Rückzugsort, wenn trommelnder Regen oder brüllender Sturm jegliche Aktivitäten, vor allem das Klettern, unmöglich macht! Vom Aufenthaltsraum führt ein Gang weiter ins Haus hinein. Auf beiden Seiten die Zimmer, mit Doppelstockbetten, großen Schränken und Stühlen eingerichtet, fast spartanisch. Ja, die Berghütte ist nicht für Fünf-Stern-Reisebürotouristen gedacht, sondern für Bergsteiger und Wandersportler.
Gleich gegenüber der Hütte ragt ein mächtiger Sandsteinriese in den Himmel, knapp hundert Meter hoch. Man könnte beim Hinaufschauen glauben, er sei noch höher. Es handelt sich um den Großvaterstuhl, einen bekannten Kletterfelsen. Und er trägt den Namen zu Recht. Auf der Aussichtskanzel des unmittelbar dahinter stehenden Felsmassivs befindet sich eine Sitzbank, aus dem Stein geschlegelt. Wenn man will, eben für die Großväter. Dort, gleich unter dem Himmel! Halt, da oben in einem Riss des Felsturmes klettern zwei Bergsteiger. Ziemlich weit oben. Der Vorsteiger hat Halt gemacht, sich in einen Ring eingeklinkt und sichert den am Seil hängenden, rund zehn Meter unterhalb kletternden Kameraden. Bei dem scheint es nicht so flott zu gehen. Länger sucht er nach einer Griffmöglichkeit. Dann macht er einen Schritt nach oben. Anschließend probiert er mehrere Trittstellen aus, aber es will wohl nicht klappen. Er quert nach links. Aber dort findet er nach längerem Suchen auch keine geeignete Steigmöglichkeit. So kehrt er zurück. Der dies beobachtende Vorsteiger muss ihm etwas zugerufen haben. Nach einer kurzen Pause erklimmt der Nachsteiger den nächsten Meter aufwärts. - Aber dieser Felsriese ist ein Magnet für die Bergsteiger.
Wir verlassen die Berghütte in nördlicher Richtung. Am Wegweiser kurz vor der Ottomühle biegen wir erst rechts und dann gleich links ab. Nun wird dem sehr breit ausgetretenen Pfad steil aufwärts zu den Kletterfelsen Ottostein und Daxenstein gefolgt. Am Ottostein ist eine Jugendgruppe in Aktion. Einer nach dem anderen kraxeln sie nach oben. Ein Übungsleiter überwacht alles sehr aufmerksam. Aber das ist schon etwas, diese Bergsteigermode: zweifarbige Kletterschuhe, rote Shorts, von denen sich der Klettergurt wirksam abhebt, dazu ein knallgelbes Nicki. Die angehenden jungen Damen machen schon etwas her! - Am Daxenstein seilt gerade ein Kletterclub ab. Eine junge Frau schwebt soeben am Seil herunter. Sie ist bergsteigerisch sehr sicher und stößt ihre Beine stets gekonnt vom Gestein ab. Dieser Gruppe von Felskletterern könnte man wirklich länger zuschauen. Der erste erklimmt bereits eine weitere Felskante. - Es gibt noch weitere vielbesuchte Kletterfelsen in diesem Talabschnitt.alt gema
Es lodern die Flämmchen mehrerer Kerzen, die auf dem großen Tisch des Aufenthaltsraumes stehen. Sie verbreiten ein dämmriges Licht. Das Flackern spiegelt sich in den Gesichtern der umsitzenden Bergfreunde wider. Alle summen die Melodien alter Berg- und Wanderlieder. In den Gläsern funkeln die Getränke. Einige ältere Kletterer genehmigen sich Wein. Leise singt man gutbekannte Volksweisen. Ja, so eine Berghütte hat ihr eigenes Flair. Hier ist man unter Gleichgesinnten. Im Kreise der Bergkameraden, die einen zuverlässig sicherten, tagsüber, am Seil in der Felsenwand.
Die Kerzen brennen nieder. Die Kinder werden zu Bett geschickt. Ab 22 Uhr herrscht Hüttenruhe, das ist so üblich auf Berghütten. Die Lichter im Gebäude werden nun gelöscht. Das Bergsteigerhaus versinkt in tiefen Schlaf. Es kehrt Stille ein im Felsental.
| letzte Änderung: 08.05.2009 | ||
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