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SBB Der Sächsische Bergsteigerbund |
Sektion des Deutschen Alpenvereins |
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Von Ursula und Johannes Radestock
Mit 3 Kleinbusen fuhren 23 Wanderfreunde nach Briedern, nicht weit von Cochem gelegen. Im Winzerhotel Moselstrand erwarteten uns schöne Zimmer, schmackhaftes Essen und gute Weine aus eigenem Weinberg.
Schon die Römer wussten die schöne Landschaft zu nutzen, führten den Anbau von Wein ein und gründeten die Stadt Trier. Diese wiederum wurde von Kaiser Konstantin zur Residenz erhoben. So bieten die von uns gewählten Wanderziele nicht nur landschaftliche reizvolle Aus-, sondern auch sehr interessante Einblicke in die Geschichte dieser Gegend.
Ein Ziel, die Stadt Trier, beeindruckte durch römische Bauwerke, schöne alte Stadthäuser und barocke Gärten. Eine sehr gute Stadtführerin gab die Erläuterungen zu den wichtigsten Punkten. Die Porta Nigra ist als Bestandteil der alten Stadtbefestigung das einzige noch erhaltene römische Stadttour. Die Architektur ist ebenso monumental wie kunstvoll. Erstaunlich sind die ingenieurtechnischen und handwerklichen Fähigkeiten der Bauleute vor nahezu 2000 Jahren. Das zeigte auch die Konstantinsbasilika aus dem 4. Jh. n. Chr. Mit einer Länge von 67 m, Breite von 27, 2 m und einer Höhe von 33 m diente sie als repräsentativer Thronsaal für den Kaiser des römischen Imperiums. Die Wände und der Fußboden waren ursprünglich mit Marmor verkleidet. Eine Fußbodenheizung, deren Warmluft auch durch die Verkleidung der Außenwände geführt wurde, sorgte für angenehme Wärme in diesem riesigen Raum. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Fußbodenheizung als wirtschaftlichste Heizmethode wiederentdeckt und angewandt. Das Ensemble des Marktplatzes konnte nach dem 2. Weltkrieg im ursprünglichen Stil wieder aufgebaut werden. Es erfreut den Besucher ebenso wie das kurfürstliche Palais mit seinem barocken Garten, der bis zu den beeindruckenden Ruinen der Kaiserthermen reicht. Auch an anderen Orten sind oft Spuren der Römer zu finden. In Neumagen-Dhron, das an der Römerstraße liegt, ist u. a. die Replik der Plastik eines römischen Weinschiffes zu sehen.
Eine Fahrt nach Maria Lach führte in das Zentrum der Vulkan-Eifel. Vor 12.000 Jahren, einem geologisch kurzen Zeitraum, war das Gebiet vulkanisch äußerst aktiv. Gewaltige Eruptionen schleuderten Gas und Magma bis in ca. 30 km Höhe. In Nordschweden wurden Ablagerungen dieser Vulkantätigkeit nachgewiesen. Bei einer Wanderung um den Lacher See wird nicht nur auf sehr informativ gestalteten Schautafeln dieses Geschehen erläutert, sondern an einigen Stellen kann man auch in Ufernähe aufsteigende Gasblasen erkennen. Diese sind Zeugnis der vergangenen Vulkantätigkeit. Auch die Dauner Maare stellen lohnende Wanderziele dar. Mit unterschiedlichen Höhen der Wasserspiegel, steilen Ufern mit dichtem Laubwald sind sie charakteristisch für die Landschaft der Vulkaneifel. Vom Dranke-Tum bietet sich ein wunderschöner Rundblick.
Die Abtei Maria Lach beherbergte 50 Mönche des Benediktiner-Ordens. Sie wurde 1093 durch Pfalzgraf Siegfried und seine Gemahlin Adelheid gestiftet. Die 1216 vollendete Abteikirche ist eine der bedeutenden romanischen Kirchen nördlich der Alpen.
Am Fahrtweg liegt die Stadt Mayen. Der Weg durch die Altstadt mit schön restaurierten fränkischen Fachwerkhäusern führt zur Genoveva-Burg aus dem 13. Jh., die in die Stadtbefestigung einbezogen ist. Von der Burg hat man einen schönen Blick über die Stadt. Sie war schon zu Zeiten der Römer ein wichtiger Knotenpunkt und Handelsplatz.
Etwas schwierig gestaltet sich der Weg von Treis Karden zur Burg Eltz. Wahrscheinlich aus gegensätzlichen Interessen lässt man Wanderwege verfallen, beseitigt die Markierungen und lässt dadurch Wanderleiter fast verzweifeln. Entlang der Bohl führte schließlich der Weg zur Burg, die sich noch immer im Besitz derer von Eltz befindet und nie zerstört wurde. Ihrer Lage auf einem Felskegel und den vielen Erkern und Türmchen ist es zu verdanken, dass sie ein Musterbeispiel einer mittelalterlichen Burg darstellt.
Fast jeder Ort an der Mosel ist mit einer Burg oder zumindest deren Ruinen versehen. Sie lassen sich sehr gut in die Wanderungen einbeziehen und bieten neben sehr schönen Aussichten auch Gelegenheit für eine Rast. Auf diese Weise lernt man eine ganze Anzahl von Burgen kennen. Über Monreal thronten die Löwen- und die Phillipsburg, über Beilstein die Burg Metternich, die Reichsburg Cochem überragt die gleichnamige Stadt, Burg Landshut steht über Bernkastel-Kues und die Festung Ehrenbreitstein gehört als jüngste der Burgen zu Koblenz.
Das Schloss Bürrenstein wurde im 12. Jh. errichtet, verlor nach einem Umbau den wehrhaften Charakter und wurde als nunmehr strategisch unbedeutendes Bauwerk nie erobert oder zerstört. Das ist der Grund für ein umfangreiches historisches Inventar, ursprüngliche Raumgestaltung und guten Erhaltungszustand. Vom letzten Besitzer wurde das Schloss dem Land Reinland-Pfalz übergeben.
Ausgangs- und Endpunkt der Wanderungen waren die reizenden Städte und Orte an der Mosel oder in der Eifel. Nach der ältesten Stadt Deutschlands, Trier, besuchten wir Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein, das an der Mündung der Mosel in den Rhein gelegene Deutsche Eck und Cochem mit der Reichsburg. Die Ortskerne mit schönen Fachwerkhäusern im fränkischen Stil sind durchweg gut erhalten oder wurden nach Zerstörung im 2. Weltkrieg in der ursprünglichen Architektur wieder aufgebaut.
So sind in jedem Ort sehenswerte, besondere Bauten zu finden. In Monreal sind eine Brücke und das wie ein Schiff gestaltete Haus daneben bemerkenswert. In Beilstein führt die Klostertreppe zum Marktplatz mit dem wuchtigen Zehnthaus. In Bernkastel-Kues gruppieren sich um den Michaelsbrunnen besonders schöne Häuser, aus denen das Renaissance-Rathaus hervorragt. Kober- Gondorf ist ein kleiner Ort mit einer Wasserburg, der durch den Bau von Eisenbahnstrecke und Straße sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Besonders sehenswert ist der Zehnthof, das älteste Fachwerkhaus Deutschlands und das Giebelhaus mit den 3 Gesichtern, die in die Fachwerkbalken geschnitzt wurden. Am Marktplatz befindet sich der Brunnen mit dem Tatzelwurm, dessen langer Schwanz die Windungen der Mosel symbolisiert. Der kleine Ort Briedern, in dem unser Quartier lag, wurde bereits 1275 erstmals urkundlich erwähnt. Archäologische Funde ergaben eine fast durchgängige Besiedlung seit der Zeit der Römer. Schiffer, Schiffsbauer und Weinbauer prägen noch heute den Arbeitsalltag. Es gibt nur noch wenige Fachwerkhäuser, denn der größte Teil wurde durch Kriege und Brände zerstört. Da auch dieser Ort mit seiner Bebauung bis dicht an die Mosel reicht, wird er wie auch alle anderen Orte regelmäßig vom Hochwasser der Mosel heimgesucht. Die Bewohner sind darauf eingerichtet, sodass Schäden erst bei hohen Wasserständen der Mosel auftreten.
Die Mosel prägt mit ihrem Flusslauf die einzigartige Landschaft. Von der Quelle am Hauptkamm der Vogesen bis zur Mündung in Koblenz beträgt die Luftlinie 278 km. Durch die vielen Windungen hat der Flusslauf eine Länge von 545 km. In seinem ständigen Wechsel, mal liegen Felsen und Weinberge an seinen Ufern, mal verliert er sich in weiten Auen, zählt er mit zu den schönsten Kulturlandschaften Deutschlands. Schon in sehr früher Zeit wurde der Fluss mit Schiffen befahren. Die Römer transportierten mit ihnen nachgewiesenermaßen Weinfässer, aber sicher auch viele andere Güter, die z. B. in der großen Stadt Trier mit 100.000 Einwohnern benötigt wurden. Nachdem das Saarland wieder deutsch wurde, erfolgte ein weiterer Ausbau zur Verbesserung der Schiffbarkeit des Flusses. Es wurden Staustufen mit Schleusen gebaut, die heute einen sehr regen Schiffsverkehr mit Schiffen bis knapp 3.000 Tonen Wasserverdrängung ermöglichen. Außer den Motorfrachtschiffen, die Tag und Nacht auf der Mosel unterwegs sind, genießen viele Touristen auf Ausflugs- und Hotelschiffen eine Fahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft.
Mosel und Wein kann man in einem Atemzug nennen, zählt doch das Gebiet Mosel-Saar-Ruwer zu den größten Weinbaugebieten Deutschlands. Bei einer Weinprobe, zu der unser Wirt seine Gäste eingeladen hatte, erfuhren wir einiges über den Weinbau. Schon die Römer brachten den Weinanbau an Mosel und Rhein. Seit dieser Zeit werden die Weinreben überwiegend auf steilen, sonnendurchfluteten Terrassen angebaut. Durch eine lange Reifezeit und die Mineralstoffe des Bodens erreicht der Riesling seine höchste Vollendung. Seit dem 15. Jh. ist die Rieslingtraube die Königin der Weißweine. Weinbau ist besonders in steilen oder hängigen Lagen mit außerordentlich schwerer körperlicher Arbeit verbunden. Auf den Terrassen besteht zudem oft Absturzgefahr bei der Pflege der Reben durch den mit Schieferschutt bedeckten Boden. Auch eine verbesserte Mechanisierung konnte den Verfall von Weinbergen aus sozialökonomischen Gründen, Preisverfall und Erbteilung nicht aufhalten.
Bei unseren Wanderungen konnten wir die erstaunliche Steilheit der Weinberge bewundern. Sogar die modernen Einmann-Zahnradbahnen durch die steilen Weinberge sind etwas für furchtlose Leute, denn die Stützen erreichen oft eine Höhe von mehreren Metern. Einige Wanderungen führten auf schön gestalteten Passionswegen, z. B. Apolloweg. Auch ein Klettersteig war dabei, der, mit einigen soliden Leitern und Seilsicherungen versehen, durch den steilsten Weinberg am Calmont führt. Wegen der soliden Tiefblicke ist Schwindelfreiheit, der schmalen, steilen Pfade wegen Trittsicherheit und gutes Schuhwerk erforderlich. Von Eller führt dieser Klettersteig über den Aussichtspunkt Galgenlay zum Bremmer Kreuz. Dort trafen die Kletterer wieder die Wanderer, die bereits bei Federweißem und Brezeln rasteten. Gemeinsam ging der weitere Weg über den Vierseenblick zu einer weiteren Schutzhütte, wo sich wiederum die Wege trennten. Die Kletterer stiegen zur Fahne Todesangst ab und von dort über Galgenlay zum Einstieg. Die Wanderer gingen den Ellerbachweg über den Kaiser- Wilhelm-Tunnel und den Wasserfall zum Einstieg.
Weitere Wanderungen führten zur Genoveva-Höhle, einen romantischen Fleck, der seinen Ursprung in einem Mühlsteinbruch hat, und auf Wegen durch die Weinberge zu interessanten Stellen mit historischem Hintergrund oder Ausblick in die herrliche Landschaft. Nach 12 ausgefüllten Wandertagen mit überwiegend schönem Wetter traten wir die Heimreise an.
Unserem Wanderleiter Lothar Hempel danken wir ganz herzlich für die viele Arbeit zur Vorbereitung und Durchführung dieser Wanderfahrt. Auch unseren Wanderfreunden, die sich als Fahrer zur Verfügung stellten, gilt unser Dank für den sicheren Transport.
| letzte Änderung: 08.05.2009 | ||
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