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Der Sächsische Bergsteigerbund
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Tourenberichte


Namibia - ein Erlebnisbericht

Von Thomas Hanicke

Vor einigen Jahren waren wir das erste Mal in Afrika. Ohne unsere Kinder hatten Heike und ich den Kilimanjaro bestiegen und die Serengeti kennengelernt. Die Begeisterung war so groß, dass wir langfristig daran gingen, ein zweites Mal ein Land auf diesem so wenig bekannten Kontinent zu bereisen.
Namibia sollte es sein, als historisch eng mit Deutschland verknüpft, landschaftlich reizvoll und ethnologisch vielseitig. Die Jugendweihe unserer erwachsen werdenden Kinder war uns Anlass genug, gemeinsam und mit ausreichend Zeit dieses Land zu bereisen.
Flüge und ein geländegängiger Mietwagen waren relativ einfach zu beschaffen, die Planung der Reise nahm durch umfangreiche Recherchen schon mehr Zeit in Anspruch, lohnt sich aber in jedem Fall für Aufnahme, Beurteilung und Bewertung der Eindrücke und Erlebnisse im Land.
Derart vorbereitet, sind wir dann im Juli und August dieses Jahres reichlich 4 Wochen und ca. 6000 km durch Namibia gereist. Das Auto war nicht nur robuster Untersatz für die Bewältigung der teilweise schlechten Pisten, sondern dank zweier Dachzelte auch unsere mobile Unterkunft.
Namibia, das ehemalige Deutsch-Südwest-Afrika, ist nach Jahren der Mandatsherrschaft durch Südafrika seit 1990 unabhängige Republik, ihr bisheriger Präsident, Sam Nujoma, wurde im Mai 2005 durch den neu gewählten Hifikopunye Pohamba abgelöst.
Das Land wird von mehreren Volksstämmen bewohnt, die größten sind Nama, Himba, Herero und Ovambo. Darüber hinaus leben in Namibia zahlreiche Weiße; 30.000 davon deutscher, aber auch britischer, holländischer und südafrikanischer Abstammung. Daher wird auch neben eigenen Völkersprachen überwiegend Afrikaans, Deutsch und Englisch gesprochen, was dem Tourismus sehr förderlich ist. Die Währung, der namibische Dollar, besitzt ungefähr 1/8 des Wertes eines Euro, gleichzeitig werden auch fast überall südafrikanische Rand im gleichen Wert genommen.
Die Akzeptanz von Kreditkarten ist in den Städten verbreitet, dort gibt es auch EC-Automaten,
außerhalb und an Tankstellen hilft nur Bargeld.
Nach dem Flug nach Windhoek sind wir zunächst nach Süden gefahren, mit dem Fish River Canyon als Ziel. Nach der Schlucht des Colorado der weltweit zweitgrößte Canyon, zieht er sich über 160 km von Marienthal bis zum Oranje River an der südafrikanischen Grenze. Davon kann man ca. 85 km in 5 - 6 Tagesetappen durchwandern, um sich am Ziel in den warmen Quellen von Ai-Ais wieder von den Strapazen der Tour zu erholen.
Entlang der Namib, der ältesten Wüste der Welt, sind wir dann nach Nordwesten gefahren, vorbei an Bethanien, dem Ort des ersten Landerwerbs durch Lüderitz im Jahre 1882. Die Sandwüste zieht sich über fast 1200 km entlang der Atlantikküste, verursacht durch den eiskalten Benguelastrom, der keine Luftfeuchtigkeit ins Land gelangen lässt. Einzelne Trockenflüsse durchbrechen vom Landesinneren her die Dünen, erreichen aber bis auf wenige Ausnahmen nicht das Meer. Landschaftlich besonders reizvoll ist das Sossusvlei, ein Flussbett von bis zu 300 m hohen Dünen aus rötlichem Sand gesäumt. Mit geländegängigem Fahrzeug kann man bis an das Ende des Tales vordringen, aber auch an anderen Stellen sind Wanderungen durch die faszinierende Welt von Formen aus Sand möglich. Besonders eindrucksvoll sind die Stunden des ersten oder letzten Lichts; der Abend hat den Vorteil, sich nicht morgens in eine Kolonne von Fahrzeugen einreihen zu müssen.
Geschichtsträchtig und auch städtebaulich sehenswert sind die Ortschaften Walvis Bay und Swakopmund.
Walvis Bay ist als einziger Tiefseehafen Namibias wirtschaftlich bedeutsam, beeindruckend sind vor allem die tausenden Flamingos in der Lagune. Nach einem ausführlichen Rundgang durch die sehr saubere, europäisch anmutende Stadt Swakopmund ist unbedingt ein Besuch im Nationalmuseum und im Woermannhaus zu empfehlen. In liebevoll gestalteten Ausstellungen erfährt man nahezu alles zu Historie und Erschließung des Landes, Lebensweise der Volksstämme und aktuellen Problemen wie z. B. der zunehmenden Verbreitung von Aids.
Der weitere Weg nach Norden führte uns zunächst zur höchsten Erhebung Namibias, dem Königstein (2573 m) im Brandbergmassiv. Die Besteigung erfordert außer einem einheimischen Führer erhebliche Kondition, immerhin sind 2000 Höhenmeter und reichlich 20 km zu bewältigen. Wir haben uns auf eine wesentlich kürzere Wanderung beschränkt und statt dessen Malereien aus der frühen Besiedlungszeit vor ca. 4000 Jahren bewundert.
Weiter nach Norden wird die Landschaft immer gebirgiger, erneut bietet uns ein Zeltplatz das Bad in warmem Quellwasser. Auf engen und steilen Straßen fahren wir durch das Kaokoveld bis zur angolanischen Grenze, Ziel sind die Epupa Fälle des Kunene Rivers. Nach 2 Wochen Wüste, Steppe und auch sonst kargem Bewuchs sind wir von der üppigen Vegetation in der Umgebung der Wasserfälle fasziniert. Zwar weniger spektakulär als die Victoriafälle am Zambezi, sind die Kaskaden des Upupa Falls durch ihre Weitläufigkeit und Vielfalt, vor allem aber durch ihre geringe Erschließung attraktiv. Mit Geduld und einheimischer Ortskenntnis sind sogar die großen Flusskrokodile zu beobachten, deretwegen wir das Baden diesmal auf felsumrandete Strudellöcher beschränken.
Nach 2 Ruhetagen am Wasser brechen wir wieder auf, mit dem Ziel Etosha-Pfanne, einem Wildparadies. Auf dem Weg dorthin lernen wir eine kleinere Ausgabe des Monument Valleys kennen, Tafelberge und freistehende Felsen aus einem Gemisch von hartem Sand und großen Steinen. Die Fingerklippe als bedeutendster Turm wurde 1970 vom Amerikaner Tom Choate erstbestiegen, Udo Kleyenstuber bezwang sie 1973 im "free climbing"-Stil. Trotz einiger noch vorhandener Haken widerstehen wir wegen der Brüchigkeit dem Besteigungsversuch. Beim Durchfahren des Tales finden wir viele weitere Felsnadeln und Massive, ein wahres Dorado für Erschließer.
Der Etosha Nationalpark rund um die salzige Etosha-Pfanne ist eines der großen Wildreservate im südlichen Afrika. Mit etwas Geduld kann man alle in dieser Region vorkommenden Tiere relativ nahe beobachten. Tag und Nacht finden die immer wiederkehrenden Rituale der Tiere um den Zugang zu Nahrung und vor allem Wasser statt. Die Vielfalt der gemeinsam lebenden Tiere, der gegenseitige Respekt, die Einhaltung von Rangordnungen und einzelne Rivalitäten fesseln uns stundenlang.
Nach 3 Tagen trennen wir uns von der wunderbaren Tierwelt in Etosha und fahren nach Süden zum Waterberg, einem 70 km langen und 30 km breiten Tafelberg von 1883 m Höhe.
Wegen reichlicher Wasservorkommen attraktiv für die Besiedlung, ist er zu trauriger Berühmtheit gelangt, als 1904 die deutsche Schutztruppe, als Reaktion auf Gewalttaten einzelner Herero gegen weiße Siedler, in der Schlacht am Waterberg ungefähr 30.000 Herero in das angrenzende Sandfeld getrieben hat und dort verhungern und verdursten ließ.
Das Waterbergplateau erhebt sich wenige hundert Meter über die umliegende Ebene, ist aber rundum von hohen roten Klippen gesäumt. Einige wenige Wanderwege führen auf die Hochfläche, oft an den Abbruchkanten entlang, und bieten faszinierende Ausblicke auf die Umgebung.
Die Nacht verbringen wir auf der Farm Hohenfels in der Nähe des Waterberges, zur Zeit geführt von einem Dresdner, der uns bis in die späte Nacht auf unterhaltsame Weise in das Farmleben einführt und afrikanische Lebensart vermittelt.
Die letzte Etappe führt uns dann zu einem Wahrzeichen Namibias, der Spitzkoppe. In der Nähe von Ugab stehen Große und Kleine Spitzkoppe mitten in der Steppe, aus rötlichem Gestein, sehr ähnlich unserem Sandstein. Hier siegt dann doch der bergsteigerische Ehrgeiz und wir nehmen die 700 Höhenmeter auf dem Normalweg in Angriff. Nach mehreren Fehlversuchen im Irrgarten von Türmen und Kaminen gelingt es uns dann doch, bis auf den Gipfelgrat zu gelangen. Lediglich die letzten 20 m zum Gipfel sind ohne Kletterausrüstung nicht zu bewältigen. Wer dieses vorhat, muß sich entweder besser dafür ausrüsten oder sich vertrauensvoll an Hasso Gantze in Swakopmund wenden und sich seiner Führung versichern.
Mit wunderschönen Sonnenuntergängen in der Felslandschaft der Spitzkoppe geht leider auch unsere Reise durch Namibia zu Ende. Wir haben viele Eindrücke gesammelt, Menschen kennengelernt und faszinierende Landschaften genossen.
Mit den Erfahrungen unserer völlig individuell durchgeführten Reise können wir Namibia jedem empfehlen, der bereit ist, auf diese Art ein Land zu erleben.
Namibia - ein Erlebnisbericht



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