![]() |
SBB Der Sächsische Bergsteigerbund |
Sektion des Deutschen Alpenvereins |
|
|
|||
Von Ina Schäfer
... baten wir am 2. Tag unserer Ankunft in Vancouver B. C., dem 07.07.2005, am Schalter des Greyhound-Bus- (und Post-) Unternehmens im Pacifik-Central-Gebäude. Wir bezahlten für diese 12-Stunden-Fahrt von 750 km 135,70 CAD (94,- Euro), da wir erst am 15.07. die Bergfahrt in die Rocky Mountains antraten. Die Grobplanung: 10 Tage Vancouver, 3 Wochen Rockies, hauptsächlich Mt. Robson-Provincialpark und Gipfel von 3954 m Höhe, Britisch Columbias höchster Berg, 1 Woche Coust Mountains, mit den stets sichtbaren "Lions", den zwei "Löwenköpfengipfeln". Die Zeit in Vancouver verging im Fluge, da ich durch meinen vorjährigen Besuch bei Martina und Sam ortskundig war: "Canada Place" am Hafen, mit den weithin sichtbaren weißen Segeln, die an die ersten Schiffe der Canadian-Pazifik-Linie erinnern sollen (der Komplex wurde zur Weltausstellung 1986 gebaut); "Stanley Park" mit dem Aquarium (für Tiere der Arktis bis zum Amazonas) und den Totempfählen - Erinnerungen an die einstmals hier lebenden Küstenindianer; die Stadtteile "Gastown" (ältester) und "Granville Island", einem zum Handwerker- und Künstlerviertel umgebauten Hafengelände und das Uni-Gelände mit dem "Museum of Anthropology".
Unser ersehnter 15. Juli war ein Regen-Freitag vom Einstieg 6.45 a. m. in den bequemen Bus bis zum überraschenden Herausstolpern aus dem Bus und Aufhucken der 4 Rucksäcke (Peter wieder die 2 schweren) vom nassen Straßenrand um 6.50 p. m.
Hier in Mt.Robson, 85 km vor Jasper, war nämlich keine offizielle Haltestelle. Wir standen also im Regen, in mehrfacher Hinsicht: Gaststätte und Café Mt.Robson sowie das Visitor Centre des Mt.Robson-Provincialparks schlossen um 19 Uhr; eine Übernachtung in 4 km entfernten Blockhütten kostete pro Person 120 CAD! Also schliefen wir in Peters Minizelt auf dem im Wald versteckten "Robson Meadows Campground" für 17 CAD pro Nacht (auch ohne Auto), die 3 großen Rucksäcke auf den Bänken abgestellt und sorgfältig 2-fach gegen Regen abgedeckt, das Bärenrisiko eingehend. Es regnete ja noch und das bis zum nächsten Tag 9 Uhr. Zivilisiert warm geduscht und gecremt, genossen wir unser erstes Frühstück in den Rockies, um dann auf Schnuppertour zu gehen einschließlich Anmeldung und Bezahlung der Zeltplätze am Bergtrail zum Mt.Robson, majestätisch zu 1/3 mit Schnee bedeckt, jede Vertiefung gezeichnet, der Gipfel in einem Wölkchen versteckt. Die von Peter ausgewählte Key-Route - ein Stück Gletscher, zum Gipfel einfache Kletterei - rückte in diesem Moment in weite Ferne für mich. Dafür bestaunten wir in der Nähe erst einmal den Fraser River, der uns von der Mündung in den Pazifik (in Vancouver) aus begleitete und hier tosend in einen Canyon gezwängt wurde. Das lockte die Wassersportler zum Rafting an.
Bei Sonnenschein ging es nun am Dienstag auf den Bergtrail - der sich anfangs mit den Stauden der orange-roten "Indian Paintbrush" (Indianermalerpinsel) schmückte - flussaufwärts am Robson River bis zum Zeltplatz am Kinney Lake. Regen und Gewitter ließen uns erst am Donnerstag "durchstarten" zum Berglake, 20 km, 800 m Höhenanstieg. Das "Tal der tausend (Wasser-)Fälle", mit dem White Fall, Falls of the pool und dem Emperor Fall, lud besonders zum Pausieren ein. Aber immer wieder zog der schneebedeckte Gipfel des Mt.Robson unsere Blicke an, denn zu jeder Zeit und aus jeder Perspektive sah er anders aus. Wir hielten dies in Fotos fest.
Unser Zelt am türkisfarbenen Berglake platzierten wir nahe dem Hargreaves Shelter, für Notfälle, denn dieser hatte Seitenwände und einen Ofen. Wir waren nur 3 km Luftlinie vom Auslauf des Bergglaciers (einer der drei Gletscher des Mt.Robson) in den See entfernt. Gewaschen und Zähne geputzt wurde sich im Robson River, mit "Bio-Artikeln", die es unten im Shop Mt.Robson zu kaufen gab, gekocht und gegessen auf Steinen seitlich vom Shelter mit Blick auf den Berg und Fluss sowie auf die lustigen und flinken Erdhörnchen, die sich unbedingt unseren Quirl aneignen wollten. Die Murmeltiere kümmerten sich nicht um uns, wurden aber eines Abends vom fliegenden Rest einer explodierenden Gasflasche aufgeschreckt. Die Japaner kochten unvorsichtig im Shelter. Früh und abends graste ein Cariboo-Kälbchen um unser Zelt. Durch den nächtlichen Regen hier auf 1640 m Höhe nahm auch die Schneehaube des Mt.Robson zu.
Da Peter aus Sicherheitsgründen mit mir nicht auf den Gipfel stieg, wanderten wir nun zum Robson-Gletschermund, der Quelle des uns bekannten Robson River, gleich bizarre Eisblöcke wie gleitende Schwäne mit sich führend. Dieser Gletscher verlor seit 1892 ca. 4 km an Länge. Ein noch grandioseres Bild vom Mt.Robson gewannen wir auf der "Mumm Basin-Route" in 2700 m Höhe, begonnen an den Toboggan Falls. Wir blickten nicht nur auf seine drei Gletscher (Mist-, Berg-, Robsongletscher), sondern auch auf unzählige Bergspitzen nah und fern, Gletscher und in das bewaldete Flusstal des Robson River. An diesem Abend aßen wir als Pilzgericht echte Blutreizker.
Dann am Sonntag der Abstieg - anfangs im dichten Nebel, Regen, das nasse Zelt und feuchte Schlafsäcke im Rucksack - zum bekannten Campgrund, um anderntags zum "Yellowhead Mtountain", 2458 m, zu starten, und das vom Camp Luzerne Lake aus, 52 km östlich von uns. Die Mitfahrgelegenheit bot sich schnell. Durch Regenschauer wieder in Zeitnot geraten, im morastigen verwachsenen Trail des dichten Moskito-Brutstätten-Waldes, wurden wir ca. 2 Stunden vor dem Ziel zur Umkehr gezwungen. Nachdem am nächsten Tag unsere kaum getrockneten Sachen einschließlich Lebensmittel wieder einregneten, flüchteten wir gen Coust Mountains. Aber das Quartier bei meiner Freundin in Vancouver war erst in 10 Tagen frei. Wir nahmen die Einladung der neu gewonnenen Freunde aus Valemount (40 km entfernt) in Anspruch, schliefen wohlig und sicher in einem Blockhaus (Eigenherstellung von Gerhard) und nahmen am Alltag dieser 8-köpfigen Familie teil.
Hier gelangten wir auch, durch Gerhards Auto den in den Rockies immer langen Bergzugang überwindend, auf den Gipfel des Canoe Mountain. Der Blick war überwältigend: unter uns das Kinbasket Lake Reservoir und unter unzähligen Bergspitzen südlich der Mt.Assiboine, das Matterhorn der Rockies in Alberta.
Wieder mit dem Greyhound-Bus in Vancouver angelangt, mieteten wir nun bei AVIS ein Auto für 4 Tage Aufenthalt in den Coust Mountains. Die abendliche Fahrt auf dem Highway 99 entlang der Küste mit teilweise Blick auf die Berge des Tantalus- und Garibaldi-Provincialparks war ein Genuss ganz anderer Art. Diese kurvenreiche Strecke zwischen Bergmassiven und Wasser verlangte von Peter aber auch große Konzentration am Lenkrad. Im Hostel in Sqamish waren wir für 63 CAD/Nacht gut untergebracht. Wir kauften im Ort eine Landkarte, um von hier zu den "Lions" zu gelangen, von Nordvancouver aus war es angeblich nicht möglich. Im Klahanie Campground, gegenüber einem der größten Granitmonolithen der Welt, dem 702 m hohen "Stawamus Chief Mountain", schlugen wir am Bach unser kleines Zelt auf (21,40 CAD/Nacht).
Der Fels ist ein Paradies der Kletterer, weshalb im nahen Sqamish auch eine Kletterschule besteht. Mit dem Auto gelangten wir auf verzweigten Fahrstraßen gegenüber der Lions Bay nun endlich zum Eingang des Nationalparks. Beim Parkplatzsuchen behinderte aber ein großer Stein bösartig unseren Aufenthalt und Elan für den zeitraubenden Weg zu den "Lions". Wir mussten abermals aufgeben und fuhren nach Vancouver. Vorher jedoch hielten wir am Küstenaussichtspunkt und Garibaldi-Gedenkstein mit der Inschrift "Hero of two worlds" (Held zweier Welten), jenem italienischen Freiheitskämpfer, der hier zeitweise im Exil lebte.
In Vancouver buchten wir noch am selben Abend eine Busfahrt nach Viktoria, der Hauptstadt von B. C. auf Vancouver Island, für den nächsten Tag. Vancouver ist heute nur noch Verwaltungszentrum. 1931 erhielt Canada von Großbritannien erst die Unabhängigkeit. Interessant waren für uns das Parlament, das elegante Luxushotel The Fairment Empress, Royal BC Museum mit monumentalen Totempfählen, die wir auch im Freien vorfanden, das Madam Tussaud-Wachsmuseum (Kopie), das Restaurant in der einstigen Spaghetti-Factory und ein Buchladen, in dem wir endlich eine verwendbare Gebietskarte zu den "Lions" erhielten.
Planmäßig 4.00 p. m. hob am Mittwoch, dem 10. August 2005, die Boeing ab und bescherte uns noch in 1000 m Höhe einen wundervollen Blick auf Vancouver, die glitzernden Mündungsarme und -seen des Fraser River in den Atlantik und die Coust Mountains mit den Lions. Ob wir sie wiedersehen und auch dort die "Indian Paintbrushs" finden? Jedenfalls locken sie mich noch immer!
Was sonst noch passierte? Nun,
- nur eine Rechnung von 655 CAD für eine 5-Minuten-Arztkonsulation im Krankenhaus Jasper wegen einer schmerzhaften Hautallergie an den Fesseln
- ein 60-cm-Lackkratzer am AVIS-Leihauto beim Parkversuch
- ein großer Schreck vor schwerstem Autounfall auf dem Highway 99, in den wir 3 Minuten später hineingeraten wären.
P.S. : Kartenmaterial und Internetadressen befinden sich in der SBB-Bibliothek
| letzte Änderung: 08.05.2009 | ||
|